Die Quereinsteiger sind nicht Schuld an der Misere in der sich die Schullandschaft
befindet!
Wenn ich höre, dass in einigen Schulen über die Quereinsteiger gemeckert
wird und wie unfair es doch sei, kann ich nur sagen: Ja sicher. Aber stellt
euch vor es gäbe die Quereinsteiger nicht. Wenn ich sehe, was passiert, wenn
bei uns mal einer krank ist, dann bin ich dankbar, dass in meiner Schule
"nur" eine Lehrerstelle unbesetzt ist. In anderen Schulen sind es 7
oder mehr. Wie man da überhaupt noch arbeiten kann, ohne sich kaputtzumachen, weiß
ich nicht. Da gib es keine Doppelsteckungen mehr, auch nicht in den
jahrgangsübergreifenden Klassen, da gibt es keine integrations- oder
Förderstunden mehr und alle müssen die Stunden ausreizen, die man als
unbezahlte Überstunden machen muss... Da sollte man doch froh sein, wenn da ein
Quereinsteiger steht, selbst wenn der Schwellenpädagogik macht.
Übrigens sind in meinem Hauptseminar die besten Abschluss Noten bei Quereinsteigern
gelandet. Und die Prüfungen und Anforderungen waren die gleichen. Was daran
liegt, denke ich, dass die Quereinsteiger in den entsprechenden Fachgebieten
nicht nur mehr Wissen haben (NaWi im Lehrerstudium kann nicht mit einem
Vollzeit NaWi-Studium konkurrieren. Muss es ja eigentlich auch nicht, nur wenn
es um den Stoff geht, sind die Quereinsteiger im Vorteil), sondern auch noch
praktische Anwendungserfahrung. Entsprechend fällt es den meisten leichter,
dies in der Schule anzubringen und den Unterricht verständlich und
handlungsorientiert zu gestalten.
Und ja, es fehlt komplett an der Pädagogik und an der Didaktik Ausbildung
und man hat keinerlei Idee, was da sonst noch so auf einen zukommt. Ich
habe in der Zeit genauso viele "echte" Lehramtsstudenten erlebt, die
mit dem Beruf nicht klargekommen sind, wie Quereinsteiger. Denn Lehrer werden
ist in der Tat nicht sehr schwer (im Moment), Lehrer sein hingegen sehr... Es
ist ein Beruf, der vielfältige Aufgaben mit sich bringt:
Unterrichtsvorbereitung (wieviel Stoff passt in eine Stunde, wie erklär ich es,
damit die Schüler verstehen, was müssen sie schaffen, was gebe ich Kindern die
früher fertig sind und was mach ich mit meinem Inklusionskind?),
Elterngespräche (von fordernd, über anschuldigend, bis zu verzweifelt kann
alles vorkommen und man muss dem höflich gegenüber stehen, auch wenn einige
Eltern frech werden), Dienstbesprechungen, Projekte (je nach Themengebiet
einfach zu bedienen oder – wenn es einem nicht liegt – schwer), Wandertage,
Klassenfahrten, Theateraufführungen der Schule, Klassenarbeiten vorbereiten und
korrigieren etc. Es ist sehr viel, was der Beruf mit sich bring und ich war da
definitiv nicht drauf vorbereitet.
Denn das Lehrerbild, was man so hat, ist falsch.
Damit komme ich zu den Ferien. Ferien? Hatte ich in den 3 Jahren, die ich
jetzt dabei bin genau 2 Wochen. Und damit meine ich Zeit, die ich gedanklich
und praktisch nicht mit Schule verbringe. Eben Ferien. In allen anderen Jobs
hatte ich mehr Ferien und auch mehr Freizeit. Ich hatte Wochenenden, die frei
waren. Das hab ich jetzt alles nicht mehr.
Übrigens, was auch vielen nicht klar ist, wenn ein Lehrer mit seiner Klasse
auf Klassenfahrt fährt ist das nicht nur Arbeit, sondern auch Mehrarbeit. Denn
in welchem Beruf ist man tagelang 24h auf Arbeit? Eine Klasse mit 30 Kindern im
Schullandheim muss betreut werden, wenn sich wer wehtut muss er versorgt
werden, wenn jemand streitet muss der Streit geschlichtet werden, wenn jemandem
langweilig ist, muss für Abhilfe gesorgt werden, wenn jemand nicht schlafen
kann, muss geholfen werden, wenn jemand Heimweh hat, wenn jemand krank ist, wenn
was kaputt gegangen ist, wenn was nicht schmeckt, wenn was nicht klappt, wenn
jemand vor etwas Angst hat, etc. etc. etc. Das ist kein Urlaub. Das ist Arbeit.
Und wenn die nicht gut vorbereitet ist und man viel zu tun hat langweilen sich
die Kinder und dann wird es schlimm. Und das ist Arbeit die man 24 Stunden tut,
denn die Kinder machen gerne mal durch, oder können nicht schlafen etc. Und die Klassenfahrt muss geplant werden und
bezahlt werden. Und bezahlt wird sie nicht direkt von Eltern, sondern der
Lehrer darf erstmal sammeln und was, wenn Eltern nicht zahlen? Ob aus Vergesslichkeit,
Geldnot oder einfach Desinteresse? Dann darf der Lehrer aus eigener Tasche vorschießen.
Entsprechend empfinde ich die Forderungshaltung einiger Eltern als Frechheit.
Man kann höflich und freundlich fragen, aber zu kommen und zu verlangen, führt
dazu, dass ich noch weniger Lust darauf habe.
Gut. Um auf die Quereinsteiger zurückzukommen, ich bin mir sicher,
dass „echte“ Lehramtskandidaten eine bessere Idee davon haben, was auf sie
zukommt. Und dennoch gibt es auch da welche, die eher ungeeignet sind und rechtzeitig aufhören. Ist im
Leben so. Manchmal sucht man sich das richtige aus und manchmal eben nicht. Und
wer sein Leben mag, sucht sich etwas anderes. Und wer weitermacht und
unglücklich wird, kommt in eine Teufelsspirale, da der Unterricht und der Rest
immer anstrengender wird, je unglücklicher man ist und das macht noch
unglücklicher. Und zumindest für mich ist der feste Job da kein Argument.
Übrigens ist man in Berlin Angestellter und nicht Beamter und insofern ist der
Job auch nicht sooo sicher, dass ich einen Burnout riskieren möchte. Denn als
angestellter Lehrer kann man auch nur (ich glaube es sind) 3 Monate bezahlt im
Krankenstand sein. Beamte können ja (soweit mir berichtet wurde) ein Jahr bezahlt
krank sein.
Übrigens sind Quereinsteiger mit 2. Staatsexamen für Lehrer nicht mehr
Quereinsteiger. Entsprechend wurde ich in meiner Schule ganz normal eingesetzt,
wie alle anderen auch. Den Anfänger Bonus habe ich nicht mehr. Allerdings darf
ich natürlich fragen, wenn mal wieder irgendwas passiert ist, was ich noch
nicht hatte. Und meine Kollegen geben dann auch gerne Tipps.
So genug gemeckert.
Als Anmerkung für alle, die überlegen Lehrer zu werden: Ich bin mittlerweile
wieder aktiv auf Jobsuche, denn ich möchte nicht den Rest meines Lebens in
einem Job verbringen, dem ich so wenig positive Gefühle entgegenbringe. Und auf Grund der Aussagen meiner Schüler, einiger Eltern und meiner Kollegen gehe ich davon aus, dass ich meinen Job gut mache! Ich bin nicht inkompetent. Aber ich bin nicht glücklich.
Bin ich
froh aus der Situation - einen festen Job zu haben - mich herausbewerben zu
können? Ja. Aber dabeibleiben möchte ich dauerhaft trotzdem nicht…
Meine Erfahrungen beim Wechsel aus der akademischen Wissenschaft ins Lehramt einer Grundschule durch den Quereinstieg in einem berufsbegleitenden Seminar.
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Samstag, 4. August 2018
Donnerstag, 25. Januar 2018
Weitere Antworten oder mein Verständnis zum nachstudieren von Fächern.
Wie geht das
mit dem Quereinstieg nochmal? Muss ich nachstudieren? Gibt es eine
Einführungszeit? und weitere Fragen kommen immer wieder auf mich zu. Daher
werde ich versuchen das ganze nochmal zusammenzufassen:
Nachstudieren:
Da ändert
sich gefühlt bei jedem Einstellungstermin etwas. Als ich 2015 begonnen habe ist
mir alles anerkannt worden (Ma, NaWi, De). Die Regeln für Quereinsteiger wurden
aber seitdem geändert.
Prinzipiell
gilt laut Senat:
"Sie
haben dabei ein in der Ausschreibung gefordertes Fach der Berliner Schule als
Hauptfach studiert:
- für das Lehramt an Grundschulen im Umfang von mindestens 40 Semesterwochenstunden oder 60 Leistungspunkten
Sie haben
ein weiteres Fach mit angemessenem Umfang studiert:
- für das Lehramt an Grundschulen mindestens 30 Semesterwochenstunden oder 45 Leistungspunkte"
Zu Deutsch:
"Wenn Ihre Herkunftssprache nicht Deutsch ist und Sie Ihren Hochschulabschluss
außerhalb des deutschsprachigen Raums erworben haben, müssen Sie Kenntnisse der
deutschen Sprache auf dem Niveau C2 des Gemeinsamen europäischen
Referenzrahmens für Sprachen (GeR) nachweisen."
Allerdings
steht beim Senat ein paar Absätze weiter:
"Für
das Lehramt an Grundschulen müssen Sie Studienleistungen für die Fächer Deutsch
und Mathematik erbracht haben und, sofern nicht vorhanden, beide Fächer
berufsbegleitend studieren."
Bei der GEW steht:
"Zurzeit
können die betreffenden Lehrkräfte i.d.R. erst ein Jahr nach der Einstellung
mit den berufsbegleitenden Studien beginnen. Daher durchlaufen diese Lehrkräfte
nach der Einstellung zunächst eine fachliche Begleitung im studierten
Fach mit dem Besuch eines Fachseminars und mit beratenden Unterrichtshospitationen
- und zwar bis zum Beginn der berufsbegleitenden Studien; mindestens aber 4
Monate lang. Dafür gibt es eine Ermäßigung um 5 Unterrichtsstunden."
Das heißt
ihr fangt in der Schule an zu arbeiten, habt schon mal ein wenig Seminar und
ca. 1 Jahr später bekommt ihr den Studienplatz.
Ich
habe mich damals für Bio und Chemie an der Sekundarschule beworben und hatte
tatsächlich entsprechende SWS. Mathe habe ich gar nicht angegeben. Bei mir war
es so, dass das Casting für Sekundarschulen war, aber Grundschulschulleiter mit
dabei waren. Wir wurden zu Beginn des Castings gefragt, ob wir auch bereit
wären an eine Grundschule zu gehen. Nach dem Casting bekam ich nur die Antwort
vom Schulleiter, das ich genommen war und gefühlt eine Woche vor Beginn dann
vom Senat die endgültige Zusage und Mitteilung über das Hauptseminar. Uns ist
dann im Hauptseminar alles Weitere mitgeteilt worden.
Zum Thema
Deutsch nachstudieren: Bei uns kamen Ende 2006 im NaWi-Seminar 2 neue
Quereinsteigerinnen. Beide Bio studiert, die eine sprach fließend Deutsch und
musste Deutsch nachstudieren, die andere gebrochen Deutsch und musste es nicht
nachstudieren... Wer das entschieden hat, kann mir das sicher nicht erklären...
Auch das könnte vom Personalzuständigen entschieden wurde und ist entsprechend
Glücksache. Von Personalzuständigen scheint sowieso sehr viel abhängig zu
sein...
Den genauen
Ablauf mit Studium kenne ich nicht. Die Infos, die ich habe, beruhen auf
Hörensagen: Du besuchst während des Nachstudiums (vier Semestern
berufsbegleitend) alle Seminare (Haupt- und Fachseminare) und bist schon an
deiner Schule. Wenn du fertig nachstudiert hast, fängt das Ref an. Vor Beginn
des Refs ist die Bezahlung E9 Stufe 1. Mittlerweile bekommt man nach
erfolgreich abgeschlossener Prüfung E13.
Ich hoffe,
das hilft allen, die den Quereinstieg noch vor sich haben. Ich muss gestehen,
dass ich es nicht gemacht hätte, wenn das Gehalt nur bei E9 gelegen hätte und
ich noch lange studieren hätte müssen. Das hätte ich mir finanziell nicht leisten
können.
Samstag, 2. September 2017
Antworten für Quereinsteiger-Neulinge
Wir haben an der Schule dieses Jahr auch wieder eine Quereinsteigerin. Da
diese schon am ersten Tag mit vielen Fragen kam, werde ich hier versuchen
zusammenzutragen was das alles heißt und wie es funktioniert (in der
Grundschule).
1. Nicht alles was man im Seminar lernt wird auch so in der Schule angewendet. Macht euch nicht unbeliebt und diskutiert, sondern passt euch an - im Seminar freundlich lächeln und in der Schule es so handhaben wie dort üblich. Da ihr festangestellt seid, könnt ihr nach dem Ref immer noch Verbesserungsvorschläge versuchen durchzukämpfen. Momentan werdet ihr da in den meisten Fällen nicht auf offene Ohren stoßen.
2. Apropos anpassen: Die Seminare werden von unterschiedlichen Menschen geführt. Trotz jedweder Beteuerung, das ihr euren eigenen Stil entwickeln sollt, sagt meine Erfahrung ganz, ganz deutlich: NEIN! Die Leute, die das versucht haben sind bei fast allen Seminarleitern damit auf die Nase gefallen. Jeder Seminarleiter hat seine eigenen Vorstellungen, wie ein Unterrichtsentwurf auszusehen hat, welche und wie viele Phasen wie lange dauern müssen, ob die Kinder kreativ frei laufen sollen oder lieber geordnet und leise. Macht euch wirklich das Leben leicht und versucht nicht gegen das eingefahrene System zu kämpfen. Ihr werdet relativ schnell den Stil des jeweiligen Seminarleiter kennenlernen. Interessanterweise leben alle (Haupt- und Fachseminarleiter) - die ich kennengelernt habe, oder von denen ich gehört habe - nicht das was sie predigen: Transparenz, Freiraum zur Entwicklung, allen die gleichen Chancen geben, das Individuum durch Differenzierung in Wertung und Aufgabe fördern etc. Alle wollten sie ihr Schema F und wenn jemand dagegen argumentiert hat sind sie zickig geworden und derjenige hatte danach Schwierigkeiten mit den Seminarleitern. Ich habe es mehrfach miterlebt. Lieber für die 1,5 Jahre den Kopf einziehen, man hat es schon schwer genug...
3. Ihr müsst eure Prüfung in 2 Fächern von den 3 Fächern machen. Ihr dürft wählen in welchen und könnt das noch bis kurz vor der Prüfung entscheiden. Ein Fach wird in den Klassenstufen 1-3 geprüft und das zweite Fach in 4-6. Das ist ein Muss. Entsprechend solltet ihr schon von Anfang an Erfahrung in den Klassenstufen sammeln, denn es gibt deutliche Unterschiede im Umgang mit den Kindern in den Altersklassen.
4. Stundenplan: versucht schon möglichst viel eigenständigen Unterricht zu führen. Ja es ist schwer am Anfang, aber die Erfahrung ist Gold wert in der Prüfung!
5. Stundenplan: Es gibt Stunden, die mit I oder T gekennzeichnet sind. T sind Teilungsstunden, da kann der Fachlehrer bei dem ihr eingeteilt seid entweder die Klasse trennen und euch die Hälfte mitschicken oder ihr seid zu zweit etc. I Stunden sind sogenannte Intergrationsstunden, die sind für Kinder mit Förderstatus. Da wird diesen Kindern jemand zur Seite gestellt, der Ihnen helfen soll.
Leider haben an meiner Schule - und bei anderen Bekannten von mir an den Schulen - diese Stunden zu 80 - 90% nicht stattgefunden. Da dies sogenannte Doppelsteckungen sind (2 Lehrer pro Klasse) werden die Stunden gerne für Vertretungen in anderen Klassen genutzt in denen jemand fehlt.
Leider erscheint das auf den Statistiken für durchgeführten Unterricht nicht, wodurch es erscheint, als wäre der Unterricht gut abgedeckt. Das durch das Fehlen dieser Stunden besonders die Kinder mit Förderstatus oder Problemen beim Lernen wirklich unglaublich viel Hilfe verlieren und entsprechend noch stärker im Vergleich zurückbleiben wird nicht gewertet.
6. Noch zu T/I-Stunden: wenn ihr da ständig vertreten müsst, solltet ihr darauf achten, dass ihr genug Zeit in den Klassen und Fächern verbringt in denen ihr geprüft werden könntet. Ich hatte zum Beispiel eine Stunde in den unteren Klassen im Fach Deutsch und die fiel häufig durch Vertretungen weg. Entsprechend konnte ich nicht gut mit der Klasse umgehen und hatte keine Erfahrung in dem Fach zu unterrichten...
7. Ihr habt einen Angestellten-Tag pro Jahr. Den dürft ihr theoretisch frei wählen aber ihr müsst das mit der Schulleitung absprechen.
8. Fragt Fragen. Ihr werdet ganz schnell herausfinden, wen man fragen kann und wen nicht.
9. Lehrer bemitleiden sich selbst unglaublich gerne, aber sehr ungerne bemitleiden sie andere. Bekommt ihr eine schwierige Klasse und teilt dies Kollegen mit, werdet ihr häufig die Antworten: "So schlimm sind sie nicht...", "Meine sind auch schlimm...", "Ich habe keine Probleme mit denen..." etc. hören. Glaubt mir, wenn dieselben Lehrer in die entsprechende Klasse gehen, würden sie das auch nicht erfreulich finden.
10. Im Kollegium wird gelästert und nicht alles stimmt so wie es erzählt wird... Macht euch immer ein eigenes Bild.
11. Rechtlich gesehen, darf die Schule euch bis zu 3 Unterrichtsstunden im Monat unbezahlt als Vertretung heranziehen. Allerdings gilt für Angestellte: "Im Unterschied zu den teilzeitbeschäftigten Beamtinnen und Beamten müssen angestellte Lehrkräfte in Teilzeitbeschäftigung keine unbezahlte Mehrarbeit leisten, solange Ihr Beschäftigungsumfang im jeweiligen Kalendermonat – einschließlich der Mehrarbeit - die Vollbeschäftigung nicht überschreitet." Wer also nur 2 Stunden reduziert hat, darf auch als Angestellter nur 2 Stunden unbezahlt eingesetzt werden.
12. Es wird viel Mehrarbeit auf euch zukommen (unter anderen auch am Wochenende): Konferenzen, Versammlungen, Feste, Elternkontakte etc. Leider wird das erwartet und soweit ich weiß ist das auch verpflichtend...
13. Wer Teilzeit arbeitet und auf eine Klassenfahrt mitfährt (das ist übrigens freiwillig und keiner kann euch rechtlich zwingen mitzufahren), sollte bei der Schulleitung nachfragen, wie das mit der Bezahlung ist. Teilzeitkräfte können während der Klassenfahrt als Vollzeitkräfte bezahlt werden...
14. Pausenaufsichten: Muss jeder machen. bei uns machen Teilzeitkräfte und Referendare weniger als Vollzeitkräfte. Fragt nach.
15. Leider seid ihr als Quereinsteiger vollangestellt und habt entsprechend keine Ansprüche auf bestimmte Dinge, die die "echten" Referendare haben (Vertretungen, Einsätze als Klassenlehrer etc.)
Aber fragt bei bestimmten Dingen euren Schulleiter oder die GEW.
16. Apropos GEW, ihr solltet euch ganz dringend einer Gewerkschaft anschließen. Das macht schon rein von der Gehaltspolitik des Senats Sinn, denn der macht zum Teil ziemlich miese Dinge weil er kann. In der GEW Mitgliedschaft ist eine Rechtsberatung für berufliche Dinge enthalten.
Mehr fällt mir spontan nicht ein, aber wenn ihr Fragen habt, bitte gerne schicken, dann kann ich das ergänzen!
1. Nicht alles was man im Seminar lernt wird auch so in der Schule angewendet. Macht euch nicht unbeliebt und diskutiert, sondern passt euch an - im Seminar freundlich lächeln und in der Schule es so handhaben wie dort üblich. Da ihr festangestellt seid, könnt ihr nach dem Ref immer noch Verbesserungsvorschläge versuchen durchzukämpfen. Momentan werdet ihr da in den meisten Fällen nicht auf offene Ohren stoßen.
2. Apropos anpassen: Die Seminare werden von unterschiedlichen Menschen geführt. Trotz jedweder Beteuerung, das ihr euren eigenen Stil entwickeln sollt, sagt meine Erfahrung ganz, ganz deutlich: NEIN! Die Leute, die das versucht haben sind bei fast allen Seminarleitern damit auf die Nase gefallen. Jeder Seminarleiter hat seine eigenen Vorstellungen, wie ein Unterrichtsentwurf auszusehen hat, welche und wie viele Phasen wie lange dauern müssen, ob die Kinder kreativ frei laufen sollen oder lieber geordnet und leise. Macht euch wirklich das Leben leicht und versucht nicht gegen das eingefahrene System zu kämpfen. Ihr werdet relativ schnell den Stil des jeweiligen Seminarleiter kennenlernen. Interessanterweise leben alle (Haupt- und Fachseminarleiter) - die ich kennengelernt habe, oder von denen ich gehört habe - nicht das was sie predigen: Transparenz, Freiraum zur Entwicklung, allen die gleichen Chancen geben, das Individuum durch Differenzierung in Wertung und Aufgabe fördern etc. Alle wollten sie ihr Schema F und wenn jemand dagegen argumentiert hat sind sie zickig geworden und derjenige hatte danach Schwierigkeiten mit den Seminarleitern. Ich habe es mehrfach miterlebt. Lieber für die 1,5 Jahre den Kopf einziehen, man hat es schon schwer genug...
3. Ihr müsst eure Prüfung in 2 Fächern von den 3 Fächern machen. Ihr dürft wählen in welchen und könnt das noch bis kurz vor der Prüfung entscheiden. Ein Fach wird in den Klassenstufen 1-3 geprüft und das zweite Fach in 4-6. Das ist ein Muss. Entsprechend solltet ihr schon von Anfang an Erfahrung in den Klassenstufen sammeln, denn es gibt deutliche Unterschiede im Umgang mit den Kindern in den Altersklassen.
4. Stundenplan: versucht schon möglichst viel eigenständigen Unterricht zu führen. Ja es ist schwer am Anfang, aber die Erfahrung ist Gold wert in der Prüfung!
5. Stundenplan: Es gibt Stunden, die mit I oder T gekennzeichnet sind. T sind Teilungsstunden, da kann der Fachlehrer bei dem ihr eingeteilt seid entweder die Klasse trennen und euch die Hälfte mitschicken oder ihr seid zu zweit etc. I Stunden sind sogenannte Intergrationsstunden, die sind für Kinder mit Förderstatus. Da wird diesen Kindern jemand zur Seite gestellt, der Ihnen helfen soll.
Leider haben an meiner Schule - und bei anderen Bekannten von mir an den Schulen - diese Stunden zu 80 - 90% nicht stattgefunden. Da dies sogenannte Doppelsteckungen sind (2 Lehrer pro Klasse) werden die Stunden gerne für Vertretungen in anderen Klassen genutzt in denen jemand fehlt.
Leider erscheint das auf den Statistiken für durchgeführten Unterricht nicht, wodurch es erscheint, als wäre der Unterricht gut abgedeckt. Das durch das Fehlen dieser Stunden besonders die Kinder mit Förderstatus oder Problemen beim Lernen wirklich unglaublich viel Hilfe verlieren und entsprechend noch stärker im Vergleich zurückbleiben wird nicht gewertet.
6. Noch zu T/I-Stunden: wenn ihr da ständig vertreten müsst, solltet ihr darauf achten, dass ihr genug Zeit in den Klassen und Fächern verbringt in denen ihr geprüft werden könntet. Ich hatte zum Beispiel eine Stunde in den unteren Klassen im Fach Deutsch und die fiel häufig durch Vertretungen weg. Entsprechend konnte ich nicht gut mit der Klasse umgehen und hatte keine Erfahrung in dem Fach zu unterrichten...
7. Ihr habt einen Angestellten-Tag pro Jahr. Den dürft ihr theoretisch frei wählen aber ihr müsst das mit der Schulleitung absprechen.
8. Fragt Fragen. Ihr werdet ganz schnell herausfinden, wen man fragen kann und wen nicht.
9. Lehrer bemitleiden sich selbst unglaublich gerne, aber sehr ungerne bemitleiden sie andere. Bekommt ihr eine schwierige Klasse und teilt dies Kollegen mit, werdet ihr häufig die Antworten: "So schlimm sind sie nicht...", "Meine sind auch schlimm...", "Ich habe keine Probleme mit denen..." etc. hören. Glaubt mir, wenn dieselben Lehrer in die entsprechende Klasse gehen, würden sie das auch nicht erfreulich finden.
10. Im Kollegium wird gelästert und nicht alles stimmt so wie es erzählt wird... Macht euch immer ein eigenes Bild.
11. Rechtlich gesehen, darf die Schule euch bis zu 3 Unterrichtsstunden im Monat unbezahlt als Vertretung heranziehen. Allerdings gilt für Angestellte: "Im Unterschied zu den teilzeitbeschäftigten Beamtinnen und Beamten müssen angestellte Lehrkräfte in Teilzeitbeschäftigung keine unbezahlte Mehrarbeit leisten, solange Ihr Beschäftigungsumfang im jeweiligen Kalendermonat – einschließlich der Mehrarbeit - die Vollbeschäftigung nicht überschreitet." Wer also nur 2 Stunden reduziert hat, darf auch als Angestellter nur 2 Stunden unbezahlt eingesetzt werden.
12. Es wird viel Mehrarbeit auf euch zukommen (unter anderen auch am Wochenende): Konferenzen, Versammlungen, Feste, Elternkontakte etc. Leider wird das erwartet und soweit ich weiß ist das auch verpflichtend...
13. Wer Teilzeit arbeitet und auf eine Klassenfahrt mitfährt (das ist übrigens freiwillig und keiner kann euch rechtlich zwingen mitzufahren), sollte bei der Schulleitung nachfragen, wie das mit der Bezahlung ist. Teilzeitkräfte können während der Klassenfahrt als Vollzeitkräfte bezahlt werden...
14. Pausenaufsichten: Muss jeder machen. bei uns machen Teilzeitkräfte und Referendare weniger als Vollzeitkräfte. Fragt nach.
15. Leider seid ihr als Quereinsteiger vollangestellt und habt entsprechend keine Ansprüche auf bestimmte Dinge, die die "echten" Referendare haben (Vertretungen, Einsätze als Klassenlehrer etc.)
Aber fragt bei bestimmten Dingen euren Schulleiter oder die GEW.
16. Apropos GEW, ihr solltet euch ganz dringend einer Gewerkschaft anschließen. Das macht schon rein von der Gehaltspolitik des Senats Sinn, denn der macht zum Teil ziemlich miese Dinge weil er kann. In der GEW Mitgliedschaft ist eine Rechtsberatung für berufliche Dinge enthalten.
Mehr fällt mir spontan nicht ein, aber wenn ihr Fragen habt, bitte gerne schicken, dann kann ich das ergänzen!
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Montag, 13. Juli 2015
Quereinstieg Lehramt: Überlegungen zum Quereinstieg als Lehrerin mit berufsbegleitendem Seminar 1 - Das Gehalt
Die
erste Frage, die sich mir stellte, ist natürlich: was verdient man als Lehrer
so? Aus den Medien (Grafik http://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/gehaltsvergleich-was-lehrer-in-berlin-verdienen/8198974.html) weiß man, Lehrer
verdienen gut:
![]() |
| Gehaltstabellen Lehrer (Tagesspiegel) |
Die
Tabelle liest sich super, aber wenn man genau hinschaut sieht man, dass das der
Verdienst auf Stufe 5 ist. Stufe 5 ist die Stufe auf die man kommt, wenn man 10
Jahre im Schuldienst gearbeitet hat. Also ist der Verdienst, der in der Zeitung
angegeben wird, so nicht ganz korrekt.
In
den Informationen, die ich zugeschickt bekommen hatte, mit der Einladung zum
Auswahlverfahren, stand folgendes:
Wie hoch ist die finanzielle Vergütung?
Die Berechnung eines Nettoentgelts hängt von Ihren persönlichen
Verhältnissen wie
Steuerklasse und Freibeträgen sowie Ihrer Versicherungspflicht in
den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung ab. Eine weitere Besonderheit
im öffentlichen Dienst ist die
Pflichtversicherung bei der Zusatzversorgungsanstalt des Bundes
und der Länder (VBL). Beiträge und Umlagen, die vom Arbeitgeber zur VBL
geleistet werden, sind abhängig vom
Sozialversicherungsrechtskreis Ost oder West und für die
Arbeitnehmer teilweise steuer- und sozialversicherungspflichtig. Wenn Sie aus
den genannten Bruttobeträgen Ihr zu erwartendes Nettoentgelt berechnen wollen,
nutzen Sie hierzu bitte entsprechende Brutto-Netto-Rechner im Internet, wie
z.B. den Gehaltsrechner für den Öffentlichen Dienst
Nicht
hilfreich.
Auf
der Seite des Senats findet man die folgende Tabelle:
![]() |
| Gehaltstabellen laut Senat Berlin |
Soweit
ich das raus finden konnte, zählen Grundschullehrer als Lehrer mit einem Wahlfach
(Obwohl sie 3 Fächer studieren und 2 Unterrichtsstunden mehr machen verdienen
Grundschullehrer am wenigsten), Lehrer mit zwei Wahlfächern sind Sekundarstufe
1 und Studienräte sind Gymnasiallehrer. Wichtige Info, die man leicht überliest:
„Die nachfolgenden Beträge gelten für Laufbahnbewerber“.
Also Menschen die ihr zweites Staatsexamen bestanden haben. NICHT für Leute im
Referendariat.
Bei
der GEW findet man dieses:
Die
Eingruppierung hängt vom anerkannten Abschluss und davon ab, in welcher
Schulform man überwiegend in seinen studierten Fächern unterrichtet. Die Spanne
reicht von Entgeltgruppe (E) 10 bis 13. Mit Beginn des (berufsbegleitenden
Referendariats) werden Lehrkräfte mit einem wissenschaftlichen
Hochschulabschluss i. d. R. so eingruppiert:
an
Grundschulen: E 11
in der Sekundarstufe I der ISS: E 12
in der gymnasialen Oberstufe von ISS oder
Gymnasien und berufsbildenden Schulen: E 13
Erst nach
erfolgreichem Abschluss des (berufsbegleitenden) Referendariats erhält man die
bekannte Zulage, die Berlin den angestellten Lehrkräften zurzeit gewährt. Dann
wird man faktisch nach dem Betrag der höchsten Stufe 5 bezahlt. Stichtag ist
dafür der Tag der Aushändigung des Zeugnisses über die Staatsprüfung
(offizielles Ende des Referendariats).
Da
diese Infos alle unterschiedlich waren, dachte ich, dass persönlich
nachzufragen vielleicht mehr Aufschluss bietet. Aber weit gefehlt: Beim Senat
erzählte man mir, es gäbe für Quereinsteiger Grundschule E10, nach
Referendariat E11, die GEW blieb bei E11.
Ich habe dann in einem Forum
Quereinsteiger gefunden, die schon 1 Jahr dabei waren und die erklärten mir,
dass man auf E11 eingestuft wird.
Also
zusammenfassend: Als Grundschullehrer im berufsbegleitenden Referendariat verdient
man TV-L E11 Stufe 1. Das bedeutet 2919.92 € Brutto, als lediger, kinderloser
Mensch mit Pflichtversicherung und VBL („Betriebs-“ Rentenversicherung) und
ohne Kirchensteuer sind das netto knapp 1800-2000
€.
Siehe
dieser Link: http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/berlin/lehrer/
Nach
dem bestandenen berufsbegleitenden Referendariat kann man die „Berlinzulage“
bekommen. Diese ist eine Zulage des Landes Berlin, um den Angestellten Lehrern
Berlin interessant zu halten ohne sie zu verbeamten. Das bedeutet angestellte
Lehrer bekommen die Differenz Ihres Gehaltes zur Stufe 5 ausgezahlt. Kurz
gesagt man bekommt denselben Verdienst, als wenn man auf Stufe 5 wäre und
dieser verändert sich nicht mehr mit der Zeit (Da die Differenz mit
ansteigender Einstufung kleiner wird). Dann verdient man netto mit der gleichen
Rechnung wie oben knapp 2455.31 €.
Die „Berlinzulage“ ist allerdings Kulanz von der Stadt Berlin und kann gegebenenfalls jederzeit wieder eingestellt werden. Die GEW kämpft in diesem Fall um eine Anpassung der Gehaltstabellen, die sicherstellt, dass angestellte Lehrer nicht deutlich weniger verdienen als verbeamtete.
Also
nicht schlecht. Wenn dann alles so stimmt.
Für
mich bedeutet das, dass ich während des berufsbegleitenden Referendariats
deutlich weniger verdiene, als jetzt in meinem temporären Postdoc
Arbeitsverhältnis. Aber nach bestehen verdiene ich – falls man dann noch die „Berlinzulage“
bekommt - knappe 100€ mehr.
Das nächste Mal Überlegungen zu Anstellung und Arbeit.
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